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Soziale Landwirtschaft

„Der Landbau bietet Möglichkeiten, Menschen an den vielfältigen Tages- und Jahresrhythmen, in Gartenarbeit oder der Arbeit mit landwirtschaftlichen Nutztieren teilhaben zu lassen. Soziale Landwirtschaft umfasst landwirtschaftliche Betriebe und Gärtnereien, die Menschen mit körperlichen, geistigen oder seelischen Beeinträchtigungen integrieren, Höfe, die eine Perspektive bieten für sozial schwache Menschen, für straffällige oder lernschwache Jugendliche, Drogenkranke, Langzeitarbeitslose und aktive Senioren, Schul- und Kindergartenbauernhöfe und viele andere mehr. Vorsorge, Inklusion und mehr Lebensqualität sind Aspekte Sozialer Landwirtschaft“, so das Witzenhäuser Positionspapier zum Mehrwert Sozialer Landwirtschaft (2008).
Vor diesem Hintergrund sieht auch der Thüringer Ökoherz e.V. große Potentiale in der Sozialen Landwirtschaft und hat sich das Ziel gesetzt, dieses Thema mit zwei Aktivitäten auch in Thüringen zu etablieren: Zum einen möchte der Verein sich als Vernetzungsstelle für Soziale Landwirtschaft in Thüringen etablieren, zum anderen sollen aber auch Erfahrungen aus dem Europäischen Ausland im Rahmen des Projektes Multifunctional Agriculture in Europe in Thüringen Anwendung finden. In beiden Fällen werden wir von der Arbeitsgemeinschaft Soziale Landwirtschaft in Deutschland unterstützt.

Unbegleitete Minderjährige Flüchtlinge in der Sozialen Landwirtschaft

Der Thüringer Ökoherz e.V. koordiniert seit dem Frühjahr 2016 ein neues Kooperationsprojekt. Dieses zielt darauf ab, die soziale Landwirtschaft für eine neue Zielgruppe zu öffnen: Unbegleitete Minderjährige Flüchtlinge (UMF).

Das Vorhaben möchte neue bedarfsgerechte Unterbringungs- und Betreuungsformen für die steigende Zahl an jungen Geflüchteten ergründen. Die besonderen Anforderungen an eine soziale Landwirtschaft mit UMF sollen durch das Projekt herausgestellt werden. Unter anderem werden sozialpädagogische, finanzielle, rechtliche und kulturelle Aspekte eruiert werden. Wie kann die Unterbringung auf einen Hof finanziert werden? Wie können Schulpflicht, Sprachkurs und Hofleben miteinander vereinbart werden? Welche interkulturellen Kompetenzen benötigen die Akteure einer Sozialen Landwirtschaft mit Geflüchteten? Diese und andere Fragen sollen im Rahmen des Projektes beantwortet werden.

Weitere Informationen können Sie unserer Pressemitteilung entnehmen: http://www.oekoherz.de/fileadmin/user_upload/Aktuelles/20160203PM_UMF-Soziale-Landwirtschaft.pdf

Kontakt: Claudia Schneider
Tel.: 03643 / 496328
E-Mail: c.schneider(at)oekoherz.de

Multifunctional Agriculture in Europe

Als interdisziplinäres Arbeitsfeld gibt es Soziale Landwirtschaft in unterschiedlichster Ausprägung in vielen Ländern Europas: Angefangen in den Niederlanden und Italien, wo Soziale Landwirtschaft mittlerweile ein ernstzunehmendes, institutionalisiertes Arbeitsfeld darstellt, welches in vielen Landwirtschaftsbetrieben Anwendung findet, bis hin zu Ländern, wie z.B. Deutschland, wo die Kombination von Landwirtschaft und Sozialer Arbeit als Rehabilitations- und Integrationsmethode bisher noch recht wenig Beachtung findet.
Bis heute fehlt es an einem qualifizierten, europaweit verbreiteten Netzwerk- und Trainingsmodell für die Bereiche Soziale Arbeit, Gesundheitswesen, Ausbildung und Landwirtschaft. Ziel des Projektes „Multifunctional Agriculture in Europe“ (MAiE) ist daher die Entwicklung eines Qualifikationsmodells für Landwirte und Sozialarbeiter sowie die europaweite Vernetzung von Akteuren, die in diesem Bereich tätig sind, um so die Arbeit mit Klientengruppen zu verbessern und zu professionalisieren.
Hierfür wird als erster Schritt eine Ex-Ante Analyse zur Bedarfsermittlung der Zielgruppe durchgeführt. Gleichzeitig analysieren Projektpartner aus Italien und den Niederlanden bestehendes Qualifikationsmaterial und machen dieses für das Projekt zugänglich.
Nach der Analysephase wird ein sechssprachiges Qualifikationsmaterial mit einem Stundenumfang von 120 bis 160 Stunden entwickelt, welches ECVET- zertifiziert in der Erwachsenbildung, der Berufsbildung sowie der Hochschulausbildung zur Anwendung kommt.

Weitere Informationen zum MAiE-Projekt finden Sie unter: www.maie-project.eu

Kontakt: Marika Krüger und Alexander Seyboth, Tel.: 0 36 43 / 495 30 88

Arbeitsgemeinschaft Soziale Landwirtschaft in Deutschland

Die Entwicklung und Vernetzung Sozialer Landwirtschaft in Deutschland zu unterstützen: dieses Ziel verfolgt das Projekt „Soziale Landwirtschaft auf Biobetrieben in Deutschland“, das im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau und anderer nachhaltiger Formen der Landwirtschaft (BÖLN) vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) gefördert wird.

Menschen mit Betreuungsbedarf ein lebenswertes Leben und sinnvolles Arbeiten auf dem Hof zu ermöglichen, das erfordert Initiative, aber auch Strukturen und politische sowie finanzielle Unterstützung.
Das Projekt möchte daher Angebote ökologisch wirtschaftender sozialer Höfe für weitere Nutzergruppen transparenter machen, für die bisher kaum oder keinerlei Netzwerkstrukturen bestehen, wie z.B. Wohnungslose, Langzeitarbeitslose, Drogenkranke, Bauernhof-Kindergärten, Jugendhilfe oder alte Menschen.

Insbesondere die bislang kaum Beachtung findenden Initiativen in Bereichen, in denen nicht die Schaffung von Arbeitsplätzen, sondern soziale, therapeutische und pädagogische Anliegen im Vordergrund stehen, werden näher beleuchtet und erfasst. Weiter wird angestrebt, Akteure aus dem Sozialbereich zur aktiven Unterstützung der Vernetzung Sozialer Landwirtschaft zu gewinnen. Denn: Diese Form multifunktionaler Landwirtschaft erbringt einen Mehrwert für die Gesellschaft.

Weitere Informationen unter: www.soziale-landwirtschaft.de

Kontakt:

Dr. Thomas van Elsen
PETRARCA e.V.
Nordbahnhofstraße 1a
37213 Witzenhausen
E-Mail: Thomas.vanElsen[at]petrarca.info